{"id":34,"date":"2025-09-15T12:13:22","date_gmt":"2025-09-15T10:13:22","guid":{"rendered":"https:\/\/weinberg-institut.de\/?page_id=34"},"modified":"2026-01-14T09:58:29","modified_gmt":"2026-01-14T08:58:29","slug":"die-methode","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/weinberg-institut.de\/index.php\/die-methode\/","title":{"rendered":"Die Methode"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Methode<\/h2>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Traumabezogene Spieltherapie nach Dorothea Weinberg \u2013 Entwicklung und Methode<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die therapeutischen Grundhaltungen der personzentrierten Gespr\u00e4chs- und Spieltherapie (C. R. Rogers, ab 1942; V. Axline, ab 1947) \u2013 Empathie, bedingungslose Wertsch\u00e4tzung, Echtheit und Pr\u00e4senz \u2013 bilden das Fundament der traumabezogenen Spieltherapie nach Dorothea Weinberg. Es wird erg\u00e4nzt durch Elemente aus dem Kinderpsychodrama und traumaspezifische Konzeptionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weinberg, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in N\u00fcrnberg, entwickelte die traumabezogene Spieltherapie Ende der 1990er-Jahre aus ihrer praktischen Arbeit im Kinderheim. Sie erkannte, dass viele Heimkinder mit fr\u00fchen Bindungsst\u00f6rungen und traumatischen Erfahrungen nicht von selbst in einen heilsamen Spielprozess finden konnten. Selbst im begleiteten freien Spiel blieben sie in traumabedingten Reinszenierungen gefangen: Opfer- oder T\u00e4teridentifizierungen, stereotype \u201eTraumaschleifen\u201c, abrupte Spielabbr\u00fcche oder unklare Rollenwechsel pr\u00e4gten das Spiel. Mangels fr\u00fcher Co-Regulation fehlte oft Symbolisierungsf\u00e4higkeit und somit die Grundlage f\u00fcr freies, entwicklungsf\u00f6rderndes Spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weinbergs Beobachtungen fanden Best\u00e4tigung in den Forschungen zur Bindungstheorie (J. Bowlby, M. Ainsworth, K. &amp; K. Grossmann) und in den ACE-Studien (1998), die den Zusammenhang zwischen fr\u00fcher Traumatisierung und sp\u00e4teren psychischen Symptomen belegten.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ihrer humanit\u00e4ren Arbeit im Kinderheim Centa Duga mit kriegstraumatisierten und verwaisten Kindern in Ex-Jugoslawien lernte Weinberg die Arbeit von Emmi Pickler kennen und vertiefte ihr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr komplexe Traumafolgen. Beides wirkte sich auf die Weiterentwicklung der traumabezogenen Spieltherapie aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus den Bed\u00fcrfnissen im Kinderheim Centa Duga heraus entwickelte Dorothea Weinberg in den 2000er-Jahren eine eigenes explizites Traumakonfrontationsverfahren f\u00fcr Kinder, Jugendliche und Erwachsenen, die&nbsp;<strong>Strukturierte Trauma-Intervention (STI). Di<\/strong>e STI dient zur Bearbeitung bewusster und abgrenzbarer traumatischer Erfahrungen. Zun\u00e4chst erfolgt auf verbaler und zeichnerischer Ebene eine k\u00fcnstliche Desintegration von sinnlichen Wahrnehmungseindr\u00fccken, Gef\u00fchlen und Gedanken, die infolge der traumatischen Erfahrung oft voneinander abgespalten wurden. Nach dieser Auftrennung werden die \u201eEinzelteile\u201c in f\u00fcnf Durchg\u00e4ngen zu einem vollst\u00e4ndigen Narrativ in Wort und Bild&nbsp; zusammengef\u00fcgt. Durch die f\u00fcnf Wiederholungen erfolgt eine schrittweise Desensibilisierung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Grundprinzipien der traumabezogenen Spieltherapie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die traumabezogene Spieltherapie verbindet die personzentrierte Grundhaltung mit&nbsp;<strong>strukturgebenden und&nbsp;<\/strong>stabilisierenden Interventionen, um Kindern mit Bindungs- und Entwicklungstraumata Halt, Orientierung und Beziehungssicherheit zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da traumatisierte Kinder ihr Erleben oft nur \u00fcber Wiederholungen (\u201eTraumaschleifen\u201c) ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, wird das Spiel gezielt unterst\u00fctzend-modifizierend begleitet. Der\/die Therapeut:in bleibt handlungsf\u00e4hig, vermeidet Opfer- oder T\u00e4teridentifikationen und bietet heilsame Alternativerfahrungen an. Dazu kann das Spiel kurz auf einer sogenannten 2. Realit\u00e4tsebene unterbrochen (\u201eSpiel-Stopp\u201c) und gemeinsam reflektiert werden: Wie k\u00f6nnte die Handlung jetzt sicher und sinnvoll weitergehen? Diese kurzen, klaren Unterbrechungen schaffen Realit\u00e4tsbezug und emotionale Erdung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einbeziehung von Raum und Zeit ist essenziell: Schaupl\u00e4tze (z. B. Polizei und R\u00e4uberversteck) werden r\u00e4umlich konkretisiert, Zeitverl\u00e4ufe verbalisiert (\u201eEs wird langsam Abend&#8230;\u201c). So entsteht Orientierung in Raum, Zeit und Handlung. Verbalisierungen in Form von Erz\u00e4hler- oder Gedankenstimmen f\u00f6rdern zus\u00e4tzlich das Mentalisieren und die emotionale Verarbeitung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zentrale heilsame Themen \u2013 Hilfe, Rettung, Heilung, Trost, Betrauerung und die Integration des Todesthemas \u2013 werden im Spiel inszeniert und sprachlich begleitet. Wo Kinder keine L\u00f6sungsideen haben, bietet die Therapeutin strukturierende Vorschl\u00e4ge an. So kann das Kind neue Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, Sicherheit und Sinnhaftigkeit machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dorothea Weinberg differenziert zwischen impliziten Interventionen, die eine traumasensible-personenzentrierte Grundhaltung in fast allen Spielprozessen erg\u00e4nzen und expliziten Interventionen, die direktiver angeleitet spezifische Probleme adressieren. Bei Bedarf werden Spaltungsprozesse adressiert und unterschiedliche Selbstanteile sicht- und nutzbar gemacht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Therapeutische Wirkung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zur klassischen personenzentrierten Spieltherapie wirkt die traumabezogene Spieltherapie&nbsp; direktiver. Sie nutzt konkrete Interventionen, die dazu beitragen k\u00f6nnen, traumaassoziiertes Spiel zu erkennen, dissoziative Spielblockaden zu unterbrechen und das Spiel bei Bedarf strukturgebend und unterst\u00fctzend zu modifizieren. Durch das best\u00e4ndige und verl\u00e4ssliche Erleben eines heilsamen Begleitetwerdens in der therapeutischen Dyade, kann ein beziehungstraumatisiertes Kind mit der Zeit ein Empfinden von Selbstwirksamkeit entwickeln, die eigenen Ressourcen nutzen lernen und seine sozialen Kompetenzen erweitern. Die Traumfolge-Symptome, sie sich als \u00dcberlebensstrategien im sch\u00e4digenden Umfeld etabliert hatten, k\u00f6nnen nach und nach angemessenen Selbstregulationsm\u00f6glichkeiten weichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Methode ist f\u00fcr Kinder vom etwa 3. bis 12. Lebensjahr geeignet, einzelne Interventionen lassen sich aber auch gut mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie den Bezugspersonen selbst durchf\u00fchren. Die traumabezogene Spieltherapie l\u00e4sst sich mit anderen traumafokussierten Ans\u00e4tzen wie dem EMDR, narrativen, imaginativen oder k\u00f6rperorientierten Verfahren kombinieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Methode Traumabezogene Spieltherapie nach Dorothea Weinberg \u2013 Entwicklung und Methode Die therapeutischen Grundhaltungen der personzentrierten Gespr\u00e4chs- und Spieltherapie (C. R. Rogers, ab 1942; V. Axline, ab 1947) \u2013 Empathie, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_EventAllDay":false,"_EventTimezone":"","_EventStartDate":"","_EventEndDate":"","_EventStartDateUTC":"","_EventEndDateUTC":"","_EventShowMap":false,"_EventShowMapLink":false,"_EventURL":"","_EventCost":"","_EventCostDescription":"","_EventCurrencySymbol":"","_EventCurrencyCode":"","_EventCurrencyPosition":"","_EventDateTimeSeparator":"","_EventTimeRangeSeparator":"","_EventOrganizerID":[],"_EventVenueID":[],"_OrganizerEmail":"","_OrganizerPhone":"","_OrganizerWebsite":"","_VenueAddress":"","_VenueCity":"","_VenueCountry":"","_VenueProvince":"","_VenueState":"","_VenueZip":"","_VenuePhone":"","_VenueURL":"","_VenueStateProvince":"","_VenueLat":"","_VenueLng":"","_VenueShowMap":false,"_VenueShowMapLink":false,"footnotes":""},"class_list":["post-34","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weinberg-institut.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/34","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weinberg-institut.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/weinberg-institut.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weinberg-institut.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weinberg-institut.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/weinberg-institut.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/34\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":225,"href":"https:\/\/weinberg-institut.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/34\/revisions\/225"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weinberg-institut.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}